Future Recruiting – Recruitingtrends in den USA

In vielen Bereichen sind die USA Vorreiter, wenn es um neue Trends geht. Ein paar Monate oder Jahre später finden sich viele dieser Trends meist auch in Europa wieder. Auch im Recruiting sind die Amerikaner den Europäern häufig ein paar Schritte voraus. Es kann also nicht schaden, sich dort nach aktuellen Entwicklungen umzuschauen und die aktuellen Recruitingthemen der USA zu kennen. Vielleicht setzen sie sich bald in Deutschland durch, vielleicht auch nicht.
Sicher ist jedoch, dass die USA zu dem Schluss gekommen sind, dass sich der Arbeitsmarkt verändert hat. Nicht mehr die Unternehmen haben im Recruiting hauptsächlich das Sagen, sondern die Kandidaten. Der amerikanische Arbeitsmarkt lässt sich aktuell als „candidate-driven“ bezeichnen. Die vielversprechendsten Recruitingtrends stellt dieser Blogbeitrag vor.

Recruitment Marketing

Unter Recruitment Marketing versteht man die Verknüpfung von Recruiting und Marketing. Es werden Methoden aus dem Marketing eingesetzt, um neue Talente auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und die eigene Employer Brand zu stärken. Laut der amerikanischen Plattform TalentLyft sind 70% der potenziellen Kandidaten nicht aktiv auf Jobsuche und müssen daher von den suchenden Unternehmen überzeugt werden. Ziel ist es, neue Talente aufmerksam zu machen, sie zum Nachdenken anzuregen und durch gezieltes Recruitment Marketing so zu überzeugen, dass sie an einer Stelle im Unternehmen interessiert sind und der richtige Recruitingprozess von der Bewerbung über die Auswahl bis hin zur Einstellung beginnen kann.
Methoden des Recruitment Marketings sind beispielsweise das Social Recruiting, der Aufbau einer ansprechenden Karriereseite, Recruiting Analyse, sowie Maßnahmen, potenzielle Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen. Letzteres kann zum Beispiel durch Referenzen der aktuellen Angestellten geschehen.

Candidate Experience & Candidate Relationship Management

Unter der Candidate Experience versteht man die Wahrnehmung des Kandidaten in Bezug auf den Bewerbungsprozess des Unternehmens. Faktoren hierfür sind unter anderem die Dauer der Rückmeldung nach Eingang der Bewerbung, die Interaktion zwischen Unternehmen und Bewerber oder auch das Bewerbungsgespräch selbst. Die Candidate Experience kann die Employer Brand maßgeblich beeinflussen, positiv sowie negativ. Besonders durch die hohe Präsenz von Social Media ist es für Unternehmen wichtig, eine positive Candidate Experience zu erzeugen, da die Erfahrungen des Kandidaten sich sehr schnell über sämtliche sozialen Medien verbreiten können.
War der Bewerbungsprozess angenehm für den Kandidaten, ist die Wahrscheinlichkeit zudem höher, dass dieser sich erneut beim Unternehmen bewirbt, das Unternehmen anderen empfiehlt und auch eine positivere Einstellung zu den Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens entwickelt. Für Unternehmen ergibt sich dadurch neben einem positiven Unternehmensimage ein größerer Talentpool, auf den sie bei erneuten Stellenausschreibungen zurück greifen können.
Die Candidate Experience kann positiv beeinflusst werden, indem Unternehmen eine detaillierte und ansprechende Stellenausschreibung sowie Karriereseite anbieten, den Bewerbungsprozess einfach und transparent gestalten, sowie auf eine gute Kommunikation mit schnellen Rückmeldungen und abschließendem Feedback an die Kandidaten bauen.
Hier kommt auch das Candidate Relationship Management ins Spiel. Der Kontakt zu potenziellen Kandidaten wird nicht nach der Bewerbung abgebrochen, sondern durch Methoden wie beispielsweise regelmäßige Newsletter über aktuell offene Stellen aufrecht erhalten. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Kandidat sich an das Unternehmen erinnert und erneut Interesse hat, dort zu arbeiten.

Recruitment Technology

In den USA ist ein gutes Recruitment Management System nicht mehr wegzudenken. Für fast alle Bereiche des Recruitings werden eigene Tools genutzt, um das System zu vereinheitlichen, die Arbeit zu erleichtern und Zeit zu sparen. Am häufigsten genutzt werden Tools für das Recruitment Marketing, die Kandidatensuche, sowie das Bewerbertracking, wodurch eine erste Vorauswahl getroffen wird und Termine automatisiert vereinbart werden können. Auch zum Assessment und Testing der Kandidaten, zudem für Videointerviews und Backgroundchecks werden entsprechende Tools genutzt.
Weiterhin ist Künstliche Intelligenz ein wichtiges Thema im Recruiting geworden. Laut TalentLyft nutzen schon jetzt über 50% der Unternehmen teilweise automatisierte Videointerviews für die ersten Vorstellungsgespräche oder die Bewerbung selbst. Um das Bewerbungsmanagement noch zu erleichtern, werden für erste Fragen der Bewerber Chatbots stetig beliebter.

Recruiting in den USA vs. Recruiting in Deutschland

Zurück zur Ausgangsfrage: Sind uns die Amerikaner im Thema Recruiting einen Schritt voraus?
Die Antwort ist: Teilweise.
Grade im technischen Bereich scheinen sich nicht viele Unterschiede zum Recruiting in Deutschland abzuzeichnen. In den USA werden mehr vereinheitlichende Tools genutzt, aber neue Themen wie zum Beispiel künstliche Intelligenz stehen auch dort noch am Anfang der Entwicklung.
Was die grundlegende Einstellung zum Recruiting betrifft, lassen sich jedoch einige Unterschiede erkennen. Die USA haben verstanden, dass der Arbeitsmarkt durch die aktuell enorm hohe Sättigung nicht mehr nur von Unternehmen bestimmt wird. Durch intensives Recruitment Marketing sowie eine stärkere Fokussierung auf eine positive Candidate Experience stellen sich die amerikanischen Recruiter immer mehr auf den „candidate-driven“ Arbeitsmarkt ein. In Deutschland ist ein solches Verständnis des Arbeitsmarktes erst in Ansätzen zu sehen und muss sich mit der Zeit weiterentwickeln.

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