Warum wird eine positive Candidate Experience immer wichtiger?

Für viele Bewerber ist nicht mehr ausschließlich die Position, auf die sie sich bewerben, wichtig, sondern auch die Arbeitgebermarke, die das zukünftige Unternehmen repräsentiert. Dabei machen zu lange Kommunikationswege, standardisierte Antworten oder überzogene Anforderungen an den Bewerber keinen guten Eindruck auf potenzielle Kandidaten. Für Recruiter und Unternehmen wird es daher immer wichtiger, dem Bewerber eine gute Erfahrung durch den Recruitingprozess zu bieten, also eine positive Candidate Experience. Doch was wünschen sich Bewerber im Bewerbungsprozess? Wie kann ich als Recruiter die Erfahrung positiv beeinflussen? Und vor allem: Warum gewinnt die Candidate Experience so sehr an Wichtigkeit?

Was versteht man unter Candidate Experience?

Unter der Candidate Experience versteht man alle Erfahrungen und Kontakte, die der Bewerber im Bewerbungsprozess mit dem potenziellen Arbeitgeber erlebt. Man kann sie auch als direktes Erleben der Employer Brand bezeichnen.
Die gesamte Candidate Experience setzt sich aus den Erfahrungen mit den einzelnen Stationen in der Candidate Journey zusammen. Alle direkten und auch indirekten Kontakte mit dem Unternehmen können für die schlussendliche Bewertung der Candidate Experience ausschlaggebend sein.
Zu den Stationen der Candidate Journey gehört zunächst einmal das Gewinnen der Aufmerksamkeit und im Anschluss die Informationsmöglichkeiten, die das Unternehmen für Bewerber bereit stellt. Die Reise geht weiter über die Bewerbung selbst, den Auswahlprozess und schlussendlich bis zum Onboarding bei einer Zusage. Aber auch bei einer Absage muss der Prozess nicht zwangsläufig vorbei sein: Candidate Relationship Management wird im Recruiting ein immer wichtigeres Thema.
Bei einer negativen Candidate Experience ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein perfekt passender Kandidat doch noch im Bewerbungsprozess abspringt und sich für ein anderes Unternehmen entscheidet. Denn aufgrund des sehr gesättigten Arbeitsmarktes können gute Bewerber es sich leisten, Arbeitgeber zu vergleichen und sich letztendlich aussuchen, für wen sie arbeiten wollen.

Was wünschen sich Bewerber im Bewerbungsprozess?

Um diese Frage zu beantworten, muss man nur einen Blick in den Talent Board EMEA Candidate Experience Research Report(2016-2017) werfen. Sie wollen jedenfalls mehr als das, was Unternehmen im Bewerbungsprozess bieten, wie die Zahlen recht eindeutig zeigen.
Die Studie mit 25.000 Befragten Jobsuchenden und 75 Unternehmen ergab, dass nur 48% der Kandidaten den Bewerbungsprozess als voll zufriedenstellend bewerten. Immerhin fast die Hälfte könnte man hier sagen, allerdings bewerten im Gegenzug auch 35% der Bewerber den Prozess als überhaupt nicht zufriedenstellend.
Weiterhin ist die Kommunikation und Information ein Problem, nur 32% der Bewerber wurden vom Unternehmen über die weiteren Schritte informiert, 28% bekamen selbst nach 2-3 Monaten keine Rückmeldung auf ihre Bewerbung.
Da nur 23% der Unternehmen überhaupt ein Feedback von ihren Bewerbern am Ende des Prozesses fordern, scheint das Interesse an der Candidate Experience nicht allzu hoch zu sein. Es fehlt deutlich an Kommunikation und Transparenz im Recruitingprozess. Der wichtigste Punkt für Bewerber ist der Zeitaufwand einer Bewerbung. Sie möchten für ihre aufgewendete Zeit wertgeschätzt werden. Geben Unternehmen keine oder verspätete Rückmeldung, ist es wahrscheinlich, dass der Kandidat, auch wenn er vielleicht perfekt ins Profil gepasst hätte, sich eher für ein anderes Unternehmen entscheidet, das mehr Transparenz und Offenheit im Bewerbungsprozess bietet.

Wie kann ich als Recruiter die Candidate Experience positiv beeinflussen?

Eigentlich ganz einfach. Man kann sich als Recruiter als erste Maßnahme in den Bewerber hineinversetzen und den eigenen Bewerbungsprozess einfach mal selbst durchlaufen. Dabei lassen sich die sechs Phasen der Candidate Journey überprüfen:
Wie ist der erste Eindruck vom Unternehmen? Stellenanzeigen und Werbung für das Unternehmen sind die Punkte, die am häufigsten die Aufmerksamkeit des Kandidaten auf sich ziehen. Ist der Bewerber auf das Unternehmen aufmerksam geworden, sucht er Informationen darüber. Sind diese einfach und verständlich zur Verfügung gestellt? Die Bereitstellung von Inhalten für Smartphones ist gerade für die junge Generation enorm wichtig geworden.
Im nächsten Schritt bewirbt sich der Kandidat beim Unternehmen. Der beliebteste Weg ist hier die Bewerbung per Mail, aber auch eine gute Karriereseite kann das Erlebnis der Bewerbung positiv beeinflussen. In der Auswahl des passendsten Kandidaten ist es schließlich wichtig, wie die Qualität des Bewerbungsgesprächs ist, dass der Bewerber einen festen Ansprechpartner hat und der Prozess so transparent wie möglich gestaltet wird.
Wird der Bewerber letztendlich eingestellt, ist ein gutes Onboarding sowie die Bindung des Mitarbeiters an das Unternehmen von hoher Wichtigkeit. All diese Punkte gilt es zu prüfen und als Recruiter umzusetzen.
Auch für externe Recruiter wie Personalberatungen oder Personaldienstleister, die Active Sourcing betreiben, lässt sich die Candidate Experience positiv beeinflussen. Hier ist es enorm wichtig, dass der Kandidat genau über den Ablauf des Prozesses informiert wird und immer ein fester Ansprechpartner zur Verfügung steht, da sonst die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass der Kandidat aufgrund von zu hohem Aufwand wieder abspringt.

Warum ist die Candidate Experience so wichtig geworden?

Durch den aktuellen Fachkräftemangel und die hohe Sättigung des Arbeitsmarktes sind Bewerber in eine andere Position gerückt. Arbeitgeber müssen jetzt gegenüber anderen herausstechen und können nicht mehr frei unter allen Bewerbern entscheiden. Ein gutes Mittel, Bewerber direkt an sich zu binden, ist eine positive Candidate Experience. Ist der Bewerber zufrieden mit dem Prozess, entscheidet er sich eher für dieses Unternehmen. Auch aus anderen Gründen sollten Unternehmen sich mit der Candidate Experience befassen. Durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Bewerbungsprozess kann man diesen stetig verbessern und damit das gesamte Recruiting des Unternehmens  und die Employer Brand positiv beeinflussen. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf Top-Kandidaten und ein positives Image des Unternehmens.

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