Recruiting und Active Sourcing – Wo liegt der Unterschied?

Wie finde ich die besten Kandidaten für meine offenen Stellen?  Die Frage hat sich wohl jeder Personaler schon mindestens ein Mal gestellt. Personalbeschaffung ist deshalb spätestens seit dem Wirtschaftsaufschwung Ende der 50er Jahre ein wichtiges Thema für Unternehmen. Auch wenn Personalbeschaffung heute Recruiting genannt wird und hauptsächlich digital und online stattfindet, ist das Ziel natürlich immer noch das Gleiche – die optimale Besetzung für die offene Stelle zu finden. Aktuell ist der Arbeitsmarkt so gesättigt wie selten zuvor. Daher ist es wichtig, neue Methoden zu entwickeln, um offene Stellen überhaupt noch besetzen zu können. Unternehmen müssen also aktiver auf die Suche nach Kandidaten gehen, sie müssen Active Sourcing betreiben. Aber ist Active Sourcing nicht Recruiting? Wo genau liegt der Unterschied?

Was bedeutet Recruiting?

Laut Definition umfasst das Recruiting alle Tätigkeiten innerhalb des Unternehmens, die zur Besetzung offener Stellen und der Rekrutierung neuer Mitarbeiter notwendig sind. Teil des Recruitings sind also alle Stufen des Einstellungsprozesses von der Feststellung des Stellenbedarfs bis zur Einstellung des neuen Mitarbeiters.
Unterschiede lassen sich hier häufig in der Unternehmensgröße erkennen. Während in kleineren Unternehmen oft nur ein oder auch gar kein interner Mitarbeiter für das Recruiting zuständig ist, die Mitarbeiter der Personalabteilung das Recruiting also nur am Rande betreuen, finden sich in großen Unternehmen und Konzernen auch ganze Abteilungen für das Recruiting. Manche Unternehmen outsourcen den Prozess, indem sie Personalberater oder andere Dienstleister wie beispielsweise Active Sourcer engagieren, die das Recruiting unterstützen oder ganz übernehmen.
Bevor fast jeder ein internetfähiges Smartphone in seiner Tasche hatte, lief das Recruiting noch offline ab – Stellenanzeigen in der Zeitung und in Zeitschriften, Bewerbung per Post und riesige Papierstapel im Büro des Personalers. Mittlerweile läuft fast der ganze Prozess online ab. Stellenanzeigen werden online geschaltet, Bewerbungen gehen per Mail oder über die unternehmenseigene Karriereseite ein und Unternehmen machen von digitalem Bewerbermanagement Gebrauch. Läuft der Prozess im Unternehmen digital ab, spricht man auch von E-Recruiting. E-Recruiting beinhaltet neben den vorher offline ausgeführten Tätigkeiten unter anderem auch die Onlinerecherche nach Kandidaten sowie das mobile Recruiting, also die Personalbeschaffung mit Hilfe von Mobilgeräten.

Was bedeutet Active Sourcing?

Active Sourcing ist nach Definition ein Teil des Recruitingprozesses. Es umfasst die aktive Suche nach und Direktansprache von geeigneten Kandidaten als Alternative zum passiven Recruiting, bei dem das Unternehmen auf den Eingang von Bewerbungen wartet und erst dann aktiv wird.
Durch die hohe Sättigung des aktuellen Arbeitsmarktes gewinnt Active Sourcing immer mehr an Relevanz. Besonders in den MINT-Bereichen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik kann man zurzeit fast von Vollbeschäftigung sprechen, aber auch in anderen Branchen können offene Stellen passiv immer schwieriger besetzt werden.
Wie gehen Unternehmen also aktiv auf die Suche nach geeigneten Kandidaten?
Die wichtigste Methode ist wohl das Durchsuchen der Karrierenetzwerke wie Xing und LinkedIn nach passenden Kandidaten. Weiterhin sind aber auch soziale Medien wie Facebook und Instagram relevant, sowie Lebenslaufdatenbanken (z.B. von Absolventa). Lässt sich durch diese Suchen die Stelle weiterhin nicht besetzen, gibt es Dienstleister, die auch telefonisch in die Recherche nach Kandidaten einsteigen.
Anschließend werden geeignete Kandidaten entweder über die entsprechenden Netzwerke angeschrieben oder telefonisch angesprochen, um die Wechselbereitschaft zu erfragen.

Unterschied zwischen Recruiting und Active Sourcing

Recruiting und Active Sourcing sind keine grundverschiedenen Tätigkeiten, Active Sourcing ist lediglich ein kleiner Teil des Recruitings. Das Recruiting umfasst den gesamten Prozess der Personalbeschaffung. Der besteht zunächst aus der Erstellung eines Anforderungsprofils und dem Erstellen der Stellenanzeige, anschließend folgt passiv das Warten auf Bewerbungen, gleichzeitig kommt hier das Active Sourcing ins Spiel, sodass zeitgleich die Direktansprache geeigneter Kandidaten aus den sozialen und Karrierenetzwerken erfolgen kann. Im nächsten Schritt werden die Bewerber geprüft, Interviews und Tests durchgeführt und schließlich wird nach der Auswertung die Entscheidung über die Besetzung der Stelle getroffen.
Ein weiterer wichtiger Punkt, in dem Active Sourcing das Recruiting verbessern und effektiver gestalten kann, ist die Tatsache, dass durch Active Sourcing nicht nur Kandidaten erreicht werden, die gerade aktiv auf Jobsuche sind, sondern auch solche, die nicht aktiv suchen, aber offen für Angebote sind. Laut Expertenmeinungen ist das der Großteil der aktuellen Arbeitnehmer.

Active Sourcing als Teil des Recruitings

Ohne Active Sourcing zu betreiben, wird es durch den aktuellen Arbeitsmarkt für Unternehmen immer schwieriger, geeignete Kandidaten für ihre offenen Stellen zu finden. Active Sourcing ist in den letzten Jahren also ein wichtiger Bestandteil des Recruitings geworden und für viele Unternehmen ein großer Pluspunkt.
Während einige Unternehmen sich eine eigene Recruitingabteilung aufgebaut haben, die auch selbst Active Sourcing betreibt, arbeiten andere wiederum mit Personalberatern oder Active Sourcing Dienstleistern zusammen, die die „handwerklichen“ Aufgaben des Recruitings übernehmen. Welcher Weg der hier richtige ist, muss natürlich jedes Unternehmen für sich selbst abwägen und entscheiden.

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